Start Kriegsverbrechen Christoph Hörstel - offener Brief an den Bundestag
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Geschrieben von: Andrew   
Mittwoch, den 07. April 2010 um 05:18 Uhr

Afghanistan: Bundesregierung weiß, wer wo, wann, wie Bomben baut...

 

Sehr geehrte Damen und Herren Mitglieder des Deutschen Bundestages,

sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Freundinnen und Freunde,

 

drei Bundeswehrsoldaten starben und fünf weitere wurden zum Teil schwer verletzt: im Distrikt Chahar Darrah, Provinz Kundus, ausgerechnet dort, wo Oberst Klein vor rund einem halben Jahr fast 140 Zivilisten töten ließ.

Allen Familien, Verwandten und Freunden aller Getöteten gilt mein Mitgefühl. Wie der englische Dichter John Donne vor rund 250 Jahren schrieb: „Any man’s death diminishes me – ’cause I am involved with mankinde.“

Im Fall Afghanistan gilt das größere Mitgefühl jedoch dem wachsenden afghanischen Widerstand und seinen Angehörigen, denn diese Menschen wehren sich gegen eine verbrecherische und ungerechte Besatzung, deren Politik immer krimineller wird, weil alle Verantwortlichen in Politik und Militär, Think Tanks und Medien Feigheit vor dem Freund zeigen, statt sich zu besinnen und einzulenken.


Es tut mir sehr weh, dies schreiben zu müssen, gerade auch als ehemaliger Coach für ausgewählte Führungskräfte unserer ISAF-Truppe und einziger Wehrdienst-Freiwilliger meines Abitursjahrgangs in meiner Heimatstadt Bremen.

Bevölkerung und Widerstand in Chahar Darrah werden wie ganz Afghanistan mitbekommen haben, dass sich Deutschland außerstande sieht, diesen Offizier zu bestrafen – von einer gerechten Strafe ganz zu schweigen, die ja entsprechend schwer ausfallen müsste. „Force protection“, der fürsorgliche Schutz für unsere Bundeswehr sieht anders aus. Das ist eine bittere Bilanz.

Gar nicht akzeptabel in einer Demokratie, menschenverachtend, pflicht- und eidwidrig zeigt sich die Politik, wenn wir betrachten, warum diese Soldaten heute Leben oder Gesundheit einbüßten: beim Entschärfen von Straßenbomben.


Seit Jahren weiß die gesamte Nato-Führung, wissen unsere Geheimdienste, wer wann, wo und wie (sogar einschließlich Art und Herkunft der einzelnen elektronischen Bauteile!) diese Bomben baut – und tut nichts dagegen oder zumindest bei weitem nicht genug.


Das Parlamentarische Kontrollgremium (PKG) wurde von mir 2008 informiert - und 2009 für seine faule und feige Politik in „Parlamentarisches Komplizengremium“ umbenannt. Keine Reaktion.

Ich habe einige Fragen: Was sagen die Verantwortlichen den Angehörigen und Freunden der deutschen Soldaten, die heute zu Schaden kamen? Wie erklären sie diese schrecklichen Opfer politischer Vernachlässigung? Wie wollen sie Mitgefühl ausdrücken angesichts ihrer unbezweifelbaren politischen Schuld?


Die Nato fährt seit Jahren eine menschenverachtende Politik der Eskalation, der Zusammenarbeit mit Drogenbaronen, Dieben und Mördern, des geplanten Chaos, bombardiert mit Uranwaffen – und dies alles im Armenhaus Asiens.

Heute fehlen mir zu dieser Sachlage die Worte. Ich erinnere daran, dass ich ein „Anwachsen des Sarg-Aufkommens“ prognostiziert hatte, zuletzt in meinem neuesten Buch: „Afghanistan-Pakistan: Nato am Wendepunkt“. Ich hätte gern Unrecht behalten und mich vor aller Welt lächerlich gemacht.


Doch zum Untersuchungsausschuss des Bundestages und unserem elenden Medienzirkus sei gesagt: Bundesverteidigungsminister und Bundesregierung haben nicht nur im Fall Kundus ein Problem. Kundus ist nur eine Osterspaziergang verglichen mit den zahlreichen weiteren Problemen, die in geheimen Akten schlummern und seit Jahren unter den Teppich gekehrt oder vergessen gemacht werden.


Es wird alles ans Licht kommen – und je länger es jetzt noch dauert, desto größer und dauerhafter der Schaden für alle Menschen, für Deutschland, Europa, die Nato und auch für unsere Freunde und Verbündeten, die USA. Von Russland, China, Pakistan und Iran gar nicht zu reden – und die übrigen Anrainer nicht zu vergessen.

Abseits der Politik, abseits unserer Kriegsabenteuer, die Bundeskanzler Schmidt in den letzten Monaten seines langen Lebens nicht müde wird zu kritisieren: Wenn Tod und Leiden unserer Bundeswehrsoldaten einen Sinn haben sollen, dann machen wir uns endlich ehrlich, legen die traurigen Tatsachen auf den Tisch und ändern unsere Politik im Sinne aller beteiligten Menschen: hin zum Gespräch, zur Schadensbegrenzung und zum Frieden.


In Trauer und mit besten Wünschen und Grüßen


Christoph R. Hörstel

Managing Director

 

 

 

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

sehr geehrte Damen und Herren Mitglieder des Deutschen Bundestages,

sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Freundinnen und Freunde,


statt eines Nachrufs: Drei Bundeswehrsoldaten sterben und acht weitere werden z. T. schwer verletzt.

Nun ist ja unsere deutsche Afghanistan-Berichterstattung zumeist einen nassen Furz wert, auch ist die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr selbst nicht über alle Zweifel erhaben. Deshalb gilt das Folgende in aller Vorsicht und unter der Voraussetzung:


Tatsächlich wurde eine Patrouille, die Bestandteil einer größeren militärischen Operation war, beim Sprengfallen-Räumen von 200 Taliban angegriffen – ausgerechnet im Distrikt Chahar Darrah, Provinz Kundus, ausgerechnet dort, wo Oberst Klein vor rund einem halben Jahr fast 140 Zivilisten töten ließ.


1. Vorgeschichte


1.1. Der Mann (Klein – nomen est omen) wurde für sein freiwilliges Erscheinen vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages von unseren kläglichen Medienmächten stark gelobt, obwohl er einfach nur genau wusste, dass er für seinen Massenmord an Zivilisten auch noch einen nachträglichen Freifahrtschein unserem hierin bejammernswerten Rechtssystem zu erwarten hat. Was erwarten wir denn? Dass die Paschtunen von Kundus sagen: ‚Schwamm drüber, das haben die Deutschen bestimmt nicht böse gemeint’?


1.2. Und was ist seitdem passiert? Wurde etwa schnell und unbürokratisch massiv entschädigt? NEIN, das BMVg führt ekelerregende bürokratische Scharmützel gegen den Opferanwalt! – wahrscheinlich mit Hilfe unserer Geheimdienste und anderer Tricks.


1.3. In Deutschland leben 100.000 Afghanen mit engen Beziehungen in die Heimat. Wie dumm muss man sein, um anzunehmen, dass Chahar Darrah und der Rest nicht erfährt, wie man hier mit dem Anwalt umgeht – und insgesamt über die Angelegenheit redet und sie behandelt?


1.4. Wie teuer sind denn jetzt diese Verluste in Chahar Darrah? Heilungskosten, Hubschrauber-Transporte, politisches Affentheater? Wäre es nicht sogar wesentlich billiger, rein finanziell (wir reden ja schon lange nicht mehr über Ethik, verstanden, jawoll) wir hätten einfach bedauert, beraten (v. a. mit betroffenen Afghanen!), bezahlt, betreut – und aus dem Fall ein humanitär-entwicklungspolitisches Leuchtturm-Projekt gemacht?


1.5. Wieso kam es überhaupt zu der jahrelangen Eskalation in Chahar Darrah? Kann es sein, dass wir Deutsche für hunderte von Millionen Euro jedes Jahr unser Verantwortungsgebiet im Nordwesten insgesamt gegen uns aufbringen – und die Nato für hunderte von Milliarden ganz Afghanistan?


2. Militärisches: wie gesagt mit aller Vorsicht wg. Berichterstattung/BW-PR


2.1. In ein extrem gefährliches Gebiet schickt man nicht eine Patrouille, wenn man seine Soldaten nicht dringend loswerden will, sondern einzelne Spezialisten und Späher. Alles andere benötigt eine große militärische Operation.


2.2. Eine solche Operation muss militärisch fachgerecht vorbereitet werden – es ist zu bezweifeln, dass dies geschah: 200 angreifende Taliban lassen sich nicht verstecken, es sei denn, Aufklärungsmittel und BND hätten rundum versagt.


2.3. Wo würden Sie denn eine militärische Sprengfalle oder Minen anbringen? Doch wahrscheinlich dort, wo man das Entschärfungsteam gut unter Feuer nehmen kann, nicht wahr? Bestimmen jetzt also die Taliban, wo wir kämpfen und krepieren?

2.4. Wenn wir bei einem solchen Ausflug nach Chahar Darrah Soldaten verlieren – so ist nun mal Krieg, das lässt sich nicht vermeiden, dann sollten die zumindest nicht dort sterben, wo man vor allem dank schlechter Vorbereitung stirbt: beim Bomben-Entschärfen.


2.5. Zu Weihnachten hat die Nato noch 25 Millionen Dollar Schutzgeld an die Taliban in Südafghanistan gezahlt, damit die Feiertage nicht gestört werden. (Unnötige Warnung an die Medien: Bitte nicht berichten und schon gar nicht recherchieren!). Wieso schicken wir Deutschen zu Ostern eine Patrouille in ein Himmelfahrtskommando?


2.6. Die von Guttenberg verkündete neue militärische Vorgehensweise in Afg. ist falsch, weil sie militärisch nichts einbringt aber viel gefährdet, die (zu geringe) Erhöhung der Aufbauhilfe konterkariert, damit schon gar nicht genügend vernetzt und verzahnt (BMZ-Niebel) ist, nicht leistbare militärische Ziele angeht, ungeeignete militärische Mittel dafür einsetzt – und so garantiert alles schlimmer macht.


2.7. Die von Guttenberg verkündete neue militärische Vorgehensweise in Afg. ist dumm, weil sie die Lehren der Vergangenheit nicht beherzigt, in Teilen der neuen Strategie der neuen Nato-Führung widerspricht (Wünsche der Bevölkerung besser adressieren, Menschen gewinnen statt zwingen), Hektik verbreitet wo Ruhe benötigt wird – und eher einigen kurzsichtigen und kurzfristigen politischen Ambitionen des forschen Jung-Ministers zu dienen scheint als der Sache.


2.8. Eigentlich zuallererst: Das Militär wird meistens gerufen, wenn die Politik versagt hat. Das gilt besonders für Afghanistan, wo die Menschen extrem leidensfähig, gastfreundlich, kooperativ und geduldig sind – und wir trotzdem in fünfundzwanzig Jahren fast alles ruiniert haben, was kaputtzukriegen war.


3. Politisches Fazit


3.1. Müssen wir mitten in so einer völlig verfahrenen Situation einen Yuppie zum Verteidigungsminister machen, der schon als Wirtschaftsminister durch ungeeignete Vorschläge und schwaches Krisenmanagement aufgefallen ist? Haben wir auf diesem Schleudersitz jetzt ein „ewiges“ Sicherheitsrisiko (Jung, lt. Süddeutsche Zeitung) gegen ein katastrophales eingetauscht?


3.2. Wen hat dieser Personal-Missgriff als Erstes gefeuert? Neben einem fähigeren der Staatsekretäre (Wichert) den relativ verdienten General Schneiderhan, der durch jahrelanges „Mit-Bremsen“ der amerikanischen Eskalationsstrategie zumindest in NW-Afghanistan erfolgreich Einhalt geboten hat! (Nachweise zu dieser zynischen US-Strategie siehe „Sprengsatz Afghanistan“, SS. 62-92. Jeder Abgeordnete, alle wichtigeren Medien, über 100, haben das Buch in ihren Schränken – Giftschränken?)


3.3. Und musste unbedingt ein Musterknabe aus dem transatlantischen Netzwerk BMVg werden, wo doch jedem Anfänger klar ist, dass wir uns angesichts der gewaltigen und fundamentalen amerikanischen Fehlleistungen der letzten 10 Jahre auf nahezu allen Gebieten etwas mehr um eigenständige Substanz bemühen müssen, wenn wir nicht als „mitgehangen“ politischen Suizid begehen wollen?


3.4. Dürfen wir jetzt bitte schnell einen erfahrenen, sechzigjährigen Charakterkopf und „Aufräumer“ als BMVg bekommen, bevor noch viel mehr Soldaten Schaden erleiden? Von Afghanen reden wir ja nicht, verstanden, jawoll.


Und bitte nicht missverstehen: „Aufräumen“ heißt: Entweder ganz schnell die Prioritäten von militärisch auf zivil drehen – oder Sofortabzug. Und wo das wegen korrupter Politik nicht geht: wenigstens nichts schlimmer machen als unbedingt notwendig und Verluste vermeiden.


In Trauer und mit besten Wünschen und Grüßen


Christoph R. Hörstel

Managing Director

Hörstel Networks
Government & Public Relations - Business Consulting



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(Quelle: e-Mail)

 

 
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