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Ein Gedankenspiel PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Oli   
Dienstag, den 27. Juli 2010 um 14:32 Uhr

Die Veröffentlichung der 90.000 Dokumente über die Kriege in Afghanistan und im Irak auf WikiLeaks erregen derzeit nicht wenige Gemüter.

Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn sich da nicht was rausschlagen ließe.

Wie rein zufällig stand unter der Meldung, dass sich unser blaublütiger V-Minister gegen Vertuschungsvorwürfe bezüglich der US-Einsätze in Afganistan gegenüber der Opposition verwahre, ein Interview mit einem „SPD-Experten“ für V-Fragen über die Zukunft der Wehrpflicht. Die Abschaffung derselben in Deutschland geistert ja nun auch schon wieder einige Tage / Wochen durch die Gazetten.

Warum nicht Kapital aus den Dokumenten des Schreckens schlagen?

Wir denken uns mal ein Szenario aus.

Mal sehen: Wie wäre es, die Abschaffungsdebatte zu befeuern, indem man von der Abschaffung (erst einmal) zurückrudert und einen akzeptablen Vorschlag zur Güte bringt. In etwa eine freiwillige Wehrpflicht. Jeder, der will, darf auch. Aber keiner muss mehr.

Bisher war es so, dass durch die Wehrpflicht eine gewisse Akzeptanz in der Bevölkerung geschaffen wurde, denn es waren ja (fast) aller Mütter Söhne, die mal die Uniform trugen. Eine Berufsarmee, die unweigerlich am Ende der Abschaffung der Wehrpflicht stände, bekäme schnell den Ruch einer in sich geschlossenen Kaste; Staat im Staate, elitär. Sie hätte aber den Vorteil, bei eventuellen Inlandseinsätzen keine großartigen Gewissensbisse bei den Berufssoldaten hervorzurufen. Es ist nämlich schon etwas anderes, ob ein W12er oder W6er auf Mitbürger schießen muss, oder ein im Korpsdenken gedrillter Berufssoldat.

Das die Wehrpflicht nun aber nicht einfach so per se abzuschaffen geht, haben die öffentlich geführten Diskussionen in den letzten Wochen gezeigt, zu tief ist sie seit 1956 verankert. Also müsste man einen kleinen Umweg gehen. Hier kommt der Vorschlag der freiwilligen Wehrpflicht ins Spiel. Wird er angenommen, ist es halt ein Umweg, der sich vielleicht ganz schnell als Sackgasse herausstellt. Wird er nicht angenommen und zerredet, wird einfach neu laut nachgedacht. Nicht zu vergessen ist auch die ökonomische Komponente. Ein anderer Experte wird uns schon vorrechnen, dass eine Berufsarmee doch viel billiger ist als die allgemeine Wehrpflicht. Und nicht zu vergessen die schon tief in „Feindesland“ stehenden deutschen Soldaten, SaZ, Berufskrieger und auch Wehrpflichtige. (Jetzt kommen nämlich die Dokumente von WikiLeaks ins Spiel.) Denen könne man ja die jetzt erst bekannt gewordenen Gräuel des Krieges nicht mehr zumuten; nur sorgfältig ausgebildete und bestens vorbereitete Berufssoldaten können unsere Freiheit wo auch immer verteidigen. Und schon hat man eine in sich wunderbar logisch geschlossene Argumentationskette, der sich kaum jemand entziehen kann. Und am Ende gibt es dann doch die Berufsarmee, wie sie in vielen anderen Ländern schon Gang und Gäbe ist. Übrigens eignet sich das „Die-Anderen-Habens-Doch-Auch“-Argument ebenfalls wunderbar

Wie schon gesagt, alles nur ein kleines, wirres Gedankenspiel, um die derzeitigen Vorgänge mal ein wenig in andere Verhältnisse zu rücken.

Man sollte aber nicht vergessen, dass man gar nicht so krumm denken kann, wie es dann kommt.

 

 
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